Wolf Udo Wagner
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frühjahr/sommer 2008 schönundgrün Die neue Wohnlichkeit Der Garten ist Zimmer mit Aussicht, Lese- und Festsaal. Nicht ohne Grund entwerfen Designer wie Wolf Udo Wagner die schönsten Lounge-Inseln und Liege-Wiesen für den Außenbereich. Wer will da noch im Haus bleiben… Ein fallendes Blatt in den Gärten Kyotos brachte Wolf Udo Wagner auf die Idee für seine neueste Gartenmöbelserie. „Dieser Moment, in dem das Blatt durch die Luft schwebte, war ein vollkommener: ausgeglichen, im Einklang mit der Natur, sensibilisiert für diese Schönheit“, erzählt der Designer. „Deshalb habe ich die Konturen dieses Blattes nach meiner Rückkehr in meinen geometrischen Formenschatz transformiert.“ Das Ergebnis heißt natürlich „Kyoto“. Es sind Stühle mit hängenden Sitzschalen, die auf U-förmigen Fußgestellen ruhen; Liegen, die ausschauen wie ein gefaltetes Origami. „Natürlich ist Design in erster Linie funktional, der Stuhl oder die Liege sollten also besonders bequem sein“, so Wolf Udo Wagner. Doch die Zeiten, in denen der Garten mit praktischen Plastikklappstühlen mit Blumenpolsterauflage aus dem Billigpreismarkt bestückt wurde, sind endgültig vorbei. „Möbel tragen noch mehr zum Lifestyle der Besitzer bei als vor zehn Jahren“, bestätigt auch der Designer. „Mode, Einrichtung, Food und andere Lebensbereiche bilden heute eine vernetzte Einheit. Das eine bedingt das andere. Der Verbraucher sieht nicht nur seine Räume, er erlebt sich darin. Am besten schon mit gedecktem Tisch. So entsteht bei ihm ein Gesamtbild.“ Die Logik dieser Grenzüberschreitungen: Moderne Terrassenmöbel stehen denen im Innenraum in nichts nach. „Es macht für mich beim Entwerfen keinen Unterschied, ob der Stuhl im Garten oder im Essbereich steht“, unterstreicht der Frankfurter die Aussage. „Rein technisch ist er auf die stärkere Beanspruchung im Garten wie UV-Licht oder Regen ausgelegt, aber daraus ergibt sich ja kein Konflikt für die Innenraumnutzung. Im Gegenteil.“ Will man sein Wohnzimmer in den Sommertagen nach draußen verlegen, ist es also keine Frage des fehlenden Equipments. „Das Design ist da“, sagt Wolf Udo Wagner. Nur: Es braucht die Bereitschaft, es anzunehmen. Viel zu oft noch, bemängelt der Möbel-Entwerfer, erkennen Gartenbesitzer nicht den Wert ihres grünen Raums. „Der Garten ist Lebensraum, den man voll in seine Alltagsgewohnheiten einschließen sollte.“ Und so hat, wer sich drinnen wie draußen wohl fühlen möchte, keine andere Wahl, als in eine gute Ausstattung zu investieren. „Ideal, wenn Verrichtungen wie das Kochen an den warmen Tagen im Freien stattfinden“, so Wolf Udo Wagner. Er sieht uns schon an einer Plancha oder Außenküche frische Kräuter aus dem eigenen Beet über das Grillgemüse streuen. „Oder draußen arbeiten? Vielleicht entwickelt man ein mobiles Freiluftbüro. Im Garten lässt es sich gut denken…“ Von der Befürchtung, sich vor den Nachbarn zu offenbaren, lässt der Designer seine Zukunftsvision nicht zerreden. „Häuser mit offenen Glasfronten sind viel mehr Bühne für neugierige Nachbarn als ein eingewachsener Garten.“, wehrt er ab. Wie offen oder geschlossen er sei, ergebe sich doch zuallererst aus der Pflanzenwelt. „Die Möbel sind eher Unterstützung und Schnittstelle zwischen Mensch und Garten.“ Sehnt man sich plötzlich nach mehr Schutz, bieten Möbel Hilfe an. „Ich plane gerade einen Paravent, den man drinnen und draußen einsetzen kann. Im Freien besteht die Möglichkeit, dieses mobile Stück mit Pflanzen zu bewachsen. Möbel und Natur verschmelzen so.“, sagt Wolf Udo Wagner. Die Idee entstand im eigenen Garten: Den großen Villenpark teilt seine Familie mit den Nachbarn. Will jemand seine Ruhe, stellt man einfach einen Paravent auf. „Dieser Mix aus Naturraum und gekauften Möbeln, der die Möglichkeit zu Rückzug oder zu Geselligkeit schafft, macht aus dem Garten einen Alltags-Ort“, resümiert Wolf Udo Wagner. Und den hat, wer als Gastgeber einen angenehmen Rahmen bietet, wer sich im Garten entspannt zurückziehen kann, wer dort „er selbst“ sein kann. Das ist der Schlüssel zum Wohnzimmer-Garten.“ Bildbeschreibung Kyoto: Liegen wie im Bett – nicht nur optisch, auch ergonomisch unterscheiden sich die Outdoor-Möbel kaum von denen für das Schlafzimmer. Julia Richter
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