February 2009
mein schönes zuhause;3 - Deutscher Designer Club - DDC Trendscout1 -Skandinavisches Design - Wolf Udo Wagner
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Trendscout 1 -Skandinavisches Design - Wolf Udo Wagner In den 80ern klebte an skandinavischem Design das Etikett: sexy wie Knäcke und schick wie ein Klappstuhl. Vergessen die wegweisenden Arbeiten der Dänen Verner Panton, Arne Jacobsen und des Finnen Alvar Aalto. Doch es tut sich wieder was in Stockholm, Oslo und Helsinki. Designer Wolf-Udo Wagner, Mitglied des Vorstandes des Deutschen Designer Clubs (DDC), über das Treiben der skandinavischen Gestalter: Skandinavisches Design: Wie würden Sie dies mit ein paar Sätzen treffend beschreiben? Wolf-Udo Wagner: Die Antwort hierauf steht eher einem Designkritiker zu. Persönlich allerdings schätze ich die Unkompliziertheit der Produkte, die Klarheit der formalen Aussagen, eine beinahe immer anwesende Natürlichkeit, selbst wenn die Formen geometrisch sind, die hohe Funktionalität welche sich dem Benutzer leicht erschließt ohne dabei didaktisch daherzukommen. Das mag nüchtern klingen, ist es aber nicht. Das skandinavische Design schafft es immer wieder auch emotional anzurühren, mit leisen Tönen. Schön und gut. Die skandinavische Design-Szene ist eher zurückhaltend. Wie erklären Sie sich, dass es offenbar zum Guten Ton in den nordischen Ländern gehört, mit seinen Entwürfen nicht anzugeben? Wolf-Udo Wagner: Ich denke das hat mit den grundlegenden Positionen der dortigen Mentalitäten zu tun, außerdem mit der geografischen Lage. In Europas Norden ist es von Natur aus kühler als im Süden, die vielen langen Nächte, lange Winter, weniger Sommerleben wirken prägend, das spiegelt sich auch in der Produktkultur wieder. Die Menschen sind auch im Norden Europas emotional orientiert, nur ruhiger ausgeprägt als im heißen Süden, eher nach innen gewendet, innen in Bezug auf die Lebensräume aber auch in Bezug auf die Persönlichkeiten selbst. Das Design dazu ist ebenfalls ruhig, harmonisch – ja Harmonie fördernd - es schafft mit seiner Klarheit und Übersichtlichkeit eine positiv geladene Atmosphäre. Oft ist dabei ein Bezug zu Natur gegeben, selbst wenn die Formen eher geometrisch sind. Da z.B. Schweden große Holzvorkommen besitzt ist nachvollziehbar, dass gerade der Möbelbau eine lange Tradition besitzt. Marken wie Swedese und Artek stehen für diese nordische Tradition, bei der herausragende Gestaltung mit erstklassiger regionaler Verarbeitungsqualität gepaart auftreten. Auch die Geräte von Bang & Olufson repräsentieren das ruhige skandinavische Design, wenn auch hier die Technik und das kühle Material im Vordergrund stehen. Die Vase Savoy von Alvar Aalto dürfte jeder kennen. Sie ist schlicht, funktional, raumsparend, transportiert aber in ihrer Form ein Motiv ins Haus, das Assoziationen zulässt ohne zu aufdringlich zu sein. Ob es hier einen Trend gibt, möchte ich ungern formulieren, und wenn dann einen übergeordneten, der auch andere Regionen betrifft: Es ist gerade jetzt, da sich alles gen Globalisierung orientiert gut, dass es das klar umrissene und geschätzte skandinavische Design gibt, ebenso wie das gestenreiche italienische Design, und natürlich das intelligent strukturierte deutsche Design. Die Identität der Regionen zu halten, wird neben der Herausforderung an Globale Märkte eines der wieder erstarkten Interessengebiete aktueller Designer und Fabrikanten sein. Das ist oder wird Trend! Was tut sich im skandinavischen Design zur Zeit und wie beeinflussen Entwicklungen den Rest der Szene? Wolf-Udo Wagner: Man glaubt es kaum, es gibt eine intensive und immer intensiver werdende Verbindung aus zwei geografisch weit voneinander entfernten Welten: die des skandinavischen Designs und der japanischen Produktkultur. Hier bestehen Parallelen, die in einigen Bereichen näher beisammen liegen als Vergleichbares zu den direkten Nachbarn. Es mag sein, dass die Interessen am Ausdruck von Ruhe und Harmonie, auch der Hang zum puristischen hier ähnlich gelagert sind. Dieses wird nun im Zuge globaler Entwicklungen und der allgemeinen Verfügbarkeit stetig ausgebaut. So arbeiten viele Hersteller der beiden Regionen mit den Designern der jeweils anderen, und umgekehrt. Und es funktioniert, denn sie gehen aufeinander ein ohne Identität zu verwässern. Wer hat Ihrer ganz subjektiven Meinung nach die innovativsten Ideen in Skandinavien und warum? Wolf-Udo Wagner: Der gesamte Bereich der Telekommunikation ist gerade in den skandinavischen Ländern stark besetzt. Jeder kennt Konzerne, welche von dort den internationalen Handymarkt dominieren (wie eingangs beschrieben in Zusammenarbeit mit japanischen Firmen). Deren Geräte sind technisch sehr innovativ. Bezogen auf das Interieurdesign sind Designer wie CKR und Björn Dahlström zu nennen. Ihre Arbeiten sind aktuell, bestehen international und zeichnen sich durch die skandinavische Designsprache aus. Eines der sympathischen schwedischen Unternehmen für Accessoires ist z.B Simplicitas aus Stockholm. Auch hier werden immer wieder gute Produktideen lanciert. Was ist ihr Lieblingsstück in dem großen Pott des skandinavischen Designs? Wolf-Udo Wagner: Das kann ich leicht und gerne beantworten. Ich sammle einige alte (und neue) Geräte von Bang & Olufson – gestaltet von Jacob Jensen. Da ist zum Beispiel das Kofferradio Beolit 600 von 1965 - das allerdings noch in der Sammlung fehlt, oder das Beocenter 2100. Gut gefällt mir der klare Aufbau, die unaufdringliche Form und das Zusammenspiel aus konsequenter Bedienerführung und edler Gesamtaussage. Einfach toll. Deutscher Designer Club - DDC Der Deutsche Designer Club ist eine Initiative, die Gutes verbindet – „Gute Gestaltung“ ebenso wie „Gute Gestalter“ und jene, die sich zur hierzu bekennen. In Deutschland und über die Grenzen - auch einzelner Disziplinen - hinaus. Besonders wird im Club die Qualität der vernetzten Kommunikation, die alle Gestaltungsdisziplinen einschließt, gepflegt und gefördert. So gehören zu den Mitgliedern des Clubs Designer, Architekten, Innenarchitekten, Werber, Grafiker, Kommunikationsdesigner, Fotografen und Illustratoren - ein kleiner feiner Kreis angewandt kreativer Menschen. Dafür schafft der DDC regionale, nationale und internationale Plattformen zum interdisziplinären Austausch über „Gute Gestaltung“ und zur Entwicklung von „Guter Gestaltung“. www.ddc.de Julia Richter
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